Fünf Wochen im Openhand Children’s Home (2013)

Ein Bericht von Emily Eickhoff und Mirjam Winter

Wir, Emily Eickhoff und Mirjam Winter, hatten zu unserem Glück die Chance bekommen, das Openhand Children's Home in der Nähe von Nairobi für fünf Wochen besuchen zu können. Karibu - "Willkommen" - dieses Wort beschreibt genau, wie wir Ende Juli am Morgen in Kenia vom Kinderlachen eines zweijährigen Mädchens empfangen wurden.
Die Zeit war eine große Bereicherung für uns beide. Wir wurden mit sehr viel Herzlichkeit aufgenommen und waren schnell in der großen "Openhand-Family" integriert.

Anfangs kostete es uns ziemliche Überzeugungsarbeit, aber nach und nach durften wir bei den täglichen Aufgaben, wie dem Geschirrwaschen (mit einem gestrickten Socken als Lappen), dem Kochen (über offenem Feuer), dem Füttern der Babys und der Gartenarbeit helfen. Auch lernten wir eine Kuh zu melken und wie anstrengend es ist, alle Kleider mit Hand zu waschen.

Selbst Kleinigkeiten, wie das Putzen von Spinatblättern, wurden für uns zum Erlebnis, da wir dies zwischen der trocknenden Kinderwäsche, einer Kuhweide und der offenen Kochstelle taten.

Waschtag
Auf dem Feld
Auf dem Spielplatz

Das Grundstück des neu erbauten Kinderheims ist riesig und die Kinder haben neben Kuh- und Hühnerstall, dem Gemüsegarten und dem Maisfeld noch ausreichend Platz zum Spielen. Auch die Heimmutter und die Betreuerinnen haben auf dem Grundstück einen Ort zum Leben. Unter anderem durch diese Begebenheit entsteht das Gefühl einer großen Familie, in welcher zu jeder Zeit Einer für den Anderen da ist. Dieser Umstand ist bereits im Verhalten der Kleinsten zu sehen. Es gilt das Prinzip: Wenn eines der Kinder weint, oder zwei sich streiten, muss das Kind getröstet, bzw. der Streit geschlichtet werden. So weiß auch die zweijährige Joan schon, dass wenn eines der Drei-Monate-Alten Babys weint, man an der Wiege wackeln muss.

Das Gemeinschaftsgefühl ist selbst bei den täglichen Stromausfällen zu spüren. Wenn diese sich abends ereigneten und alles in Dunkelheit getaucht wurde, hat sich das gesamte Heim in der Sofa-Ecke versammelt. Die Jüngsten wurden auf den Schoß genommen, eine Petroleumlampe wurde hereingebracht und eine der Ältesten gab den ersten Ton für ein kisuahelisches Lied an. So saßen wir im Dunklen, auf Sofas und einem Teppich verteilt und genossen den Klang von 30 kenianischen Stimmen.

Die Singfreude reicht über die Stromausfall-Zeiten hinaus. Schon morgens, wenn wir aufstanden und einige Kinder in der Spielecke saßen, später, beim Putzen der Flure oder draußen auf dem Feld, vernahmen wir verschiedenste Gesänge. 

Die meisten Lieder, ob aus dem wöchentlichen Gottesdienst oder den Charts, handeln von Gott und Jesus und auch im alltäglichen Leben kann man die christliche Erziehung deutlich wahrnehmen.
Besonders beeindruckten uns die in einer kleinen Dorfkirche aus Blech stattfindenden Maasai-Gottesdienste, welche sich sehr von den deutschen unterscheiden und ziemlich befremdend für uns waren.

Kirche
Unterwegs
Tuk-Tuk

Neben diesem Gegensatz in der Kirche unterscheidet sich ansonsten ebenfalls einfach alles von unserer Kultur! Ob das Fahren auf der linken Straßenseite, dem Geschmack von Fanta und Sprite, der noch sehr strengen Schulen, der offenen Müllverbrennung am Straßenrand, freilaufenden Eseln, Kaffee ohne Milch und Tee mit Milch, den dreirädrigen Autos auf Schlaglochstraßen (Tuk-Tuks), dem Essen, welches zum Teil mit den Fingern gegessen wird, den frischen Orangen, Bananen, Ananasfrüchten und dem Rohrzucker zum Abbeißen, den unterschiedlichen Temperaturwahrnehmungen, den giftigen Fröschen und Spinnen, der Fröhlichkeit der Menschen.... Diese Liste könnte noch ins Unendliche fortgesetzt werden, aber eines können wir sicher sagen, wir haben (fast) alle Unterschiede genossen und fanden es aufregend diese Kultur kennen zu lernen!

Wie wir feststellen durften, muss man, um die Tierwelt Afrikas zu sehen, nicht unbedingt auf Safari fahren. Es ist ausreichend eine Wanderung durch das das Kinderheim umgebende Maasai-Land zu machen. Uns begegneten hier Zebras, Antilopen, Gazellen und Strauße. Ebenso das ausgetrocknete Flussbett, die riesigen Kakteen und die Aloe-Vera-Pflanzen faszinierten uns, also die vielseitigen Eindrücke.

Ausflüge und Eindrücke

Neben den Spaziergängen, den täglichen Essenslieferungen an die kleine Schule in der Nachbarschaft und den Einkaufsfahrten in die Stadt, kamen wir auch einige Male weiter aus Kitengela heraus.

Wir besuchten Nairobi, den Lake Naivasha und hatten das Glück das Elternhaus der Heimmutter in den Kikuyu-Highlands kennen lernen zu dürfen. Dieser Tag wurde für uns zu einem ganz besonderen. Wir wurden nicht nur zu einem traditionellen Kikuyu-Essen bei den Eltern der Heimmutter eingeladen, sondern besichtigen auch eine Kaffeefabrik, Tee- und Ananasplantagen und durften den Geschmack einer frisch gepflückten Passionsfrucht genießen.

Außer diesen Ausflügen unternahmen wir weitere mit der Leitbild-AG, welche gegen Ende unseres Aufenthaltes dazukam. Neben einer Safari, einer zweiten Besichtigung der Hauptstadt und dem alten Kinderheim, machten wir einen großen Ausflug mit allen Kindern, Jugendlichen und Betreuern in die nahe gelegene Straußenfarm. Besonders beeindruckend war es für uns, die Begeisterung aller für den Pool und den Spielplatz zu sehen. Der Tag wurde in vollen Zügen ausgekostet, auch wenn das Wasser für unsere Verhältnisse viel zu kalt war!

Zusätzlich zu den aus Nairobi mitgebrachten Souvenirs, wird die Leitbild-AG auf dem diesjährigen Kehler Weihnachtsmarkt ein weiteres Mitbringsel aus Kenia verkaufen.

Auf dem Hinflug war unser Gepäck nämlich noch mit Malsachen für die Heimkinder gefüllt. Kaum waren diese ausgepackt, hatten wir schnell viele persönliche Kunstwerke zusammen. Mit Begeisterung und viel Kreativität wurde ein Bild nach dem anderen gemalt und mit jedem Versuch sich mehr getraut. Die vielen Ergebnisse haben wir wieder mit nach Deutschland gebracht und werden schon bald in Postkartenform zu bewundern sein.

Wenn wir nun auf die fünf Wochen zurückblicken, wird uns klar was mit Spenden und weiteren Hilfsgeldern alles möglich ist und welche Entwicklungen allein in dieser kurzen Zeit geschahen. Als wir ankamen, kochte eine der Frauen noch draußen über offenen Feuer, wobei der Topf auf drei Holzstücke gestellt wurde. Innerhalb weniger Tage wurde eine Kochstelle mit Abzug aus Beton gegossen, so dass die Köchinnen nun nicht mehr im Rauch stehen müssen und der Topf besseren Halt hat.

Ausflug zu den Kikuyu-Highlands
Kochstelle
Bau der Biogasanlage

Außerdem waren zwei Handwerker hinter dem Kuhstall schwer am Arbeiten und innerhalb kürzester Zeit entstand eine Biogasanlage, mit welcher ein Teil des Gasverbrauchs gedeckt werden kann. Zusätzlich zur Kochstelle im Freien besitzt das Kinderheim zwei Gasherde in der Küche. Jedoch ist das Gas zu teuer, so dass des Öfteren auf diese Herdplatten verzichtet werden musste. Mithilfe der neuen Biogasanlage wird diesem Problem entgegenwirkt.
Allein die Tatsache, dass die 30 Kinder und Jugendliche aus dem kleinen Grundstück in Githurai aufs Land nach Kitengela gebracht werden konnten, ist bewundernswert und sie wissen es zu schätzen und zu nutzen!

Alice Mukui gründete vor 10 Jahren mit weiteren Personen das Openhand Children's Home, welches bis heute bestehen blieb und sich durch Spenden weiterentwickelt. Dies wurde auch bei der Feier zum 10-jährigen Jubiläum bedacht. Bei diesem Fest, welches in der letzten Woche unserer Zeit in Kenia stattfand, konnten wir nochmals spüren, wie sehr wir uns mit den Kindern und Jugendlichen zusammengefunden hatten. Als Beitrag des Heims wurden zwei Lieder auf Suaheli, Kongolesisch und Englisch gesungen, wobei wir, wie selbstverständlich, mit in die Gruppe aufgenommen wurden. In diesem Moment haben wir die Verbundenheit zu den Kindern und Jugendlichen, mit welchen wir fünf Wochen lang zusammen gelebt haben, besonders wahrgenommen.

Eine Kuhherde zieht vorbei

Als wir begannen, diesen Bericht zu schreiben, wussten wir nicht, wie wir das Erlebte in Worte fassen sollen. Und obwohl der Text nun so viele Wörter enthält, kann er nur ansatzweise das ausdrücken, was wir erlebt haben.

Jeder Tag unterschied sich von den vergangenen und hielt etwas Neues und Aufregendes für uns bereit. Ob beim Krankenhausbesuch mit den Jüngsten zum Impfen oder während Maasai-Kuhherden an unserem Zimmer vorbeizogen, hatte jeder Moment eine besondere Ausstrahlung und all diese Erlebnisse werden uns noch lange in Erinnerung bleiben!

Bildergalerie

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